Innovationsfabrik

  • Interview
  • Veröffentlicht am 14.06.2019
Innovationsfabrik

Simon Hombücher ist nicht nur Gründungscoach und Berater für das Förderprogramm Exist an der Universität Duisburg-Essen. Als langjähriger Leiter und Begleiter der an der Uni angebotenen Innovationswerkstätten plädiert der studierte Industrie-Designer leidenschaftlich dafür, mehr Designer in Startups zu bringen.

Simon Hombücher ist nicht nur Gründungscoach und Berater für das Förderprogramm Exist an der Universität Duisburg-Essen. Als langjähriger Leiter und Begleiter der an der Uni angebotenen Innovationswerkstätten plädiert der studierte Industrie-Designer leidenschaftlich dafür, mehr Designer in Startups zu bringen.

Wie Startup-Teams von Designern profitieren können, darüber haben wir mit ihm im Interview gesprochen.

Wie bist Du als Industrial Designer zu den Themen Startups und Innovation an der Uni Duisburg-Essen gekommen?

Ich habe mich während meines Design-Studiums an der Uni Duisburg-Essen schon früh für Kreativ-Methoden wie Design Thinking interessiert und war auch für ein Auslandssemester in Graz, wo ich mit der Innovationsmanagement-Szene in Berührung kam. Das hat mich schon in diese Richtung gelenkt.

Dabei habe ich entdeckt, dass man in diesem Bereich als Designer ganz viel machen kann, einfach aus der Motivation heraus, kreativ zu denken und zu arbeiten. Diese kreativen Aspekte des Innovationsmanagements habe ich dann auch weiter vertieft.

So bin ich an der Uni Duisburg-Essen zunächst als freier Seminarleiter zu den Innovationswerkstätten gekommen, wo es vor allem um kreative Lösungsfindung geht. Über die Kooperation der Uni mit den niederländischen Hochschulen in Eindhoven, Nijmegen und Wageningen war ich dann auch an Projekten der deutsch-niederländischen Startup-Förderung beteiligt.

Beim Thema Startups bin ich geblieben, sei es mit der Innovationsfabrik, die schon seit 2007 einen Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit von Forschung und Design legt, oder mit dem Projekt InnovationHub, das jetzt im September ausläuft, und aus dem Startups wie beispielsweise Soccerwatch hervorgegangen sind.

Welche Idee steckt hinter der InnovationsFabrik?
Hinter der Innovationsfabrik steckt der Ansatz, Industrial Designer einzusetzen, um Ideen von Startups zu inkubieren. Dazu bieten wir Studierenden oder Wissenschaftlern verschiedene Innovationswerkstätten an. Studierende kommen oft im Rahmen ihres Bachelorstudiums, um kreatives Denken und Arbeiten zu lernen, was heute vor allem unter dem Begriff „Design Thinking“ läuft. Später im Masterstudium geht es dann darum, eine eigene Idee umzusetzen oder weiterzuverfolgen, sei es im Bereich Automotive, angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften, Elektrotechnik, klassische Ingenieurswissenschaften oder Maschinenbau. Das Schöne an den Werkstätten ist, dass Studierende hier fachübergreifend zusammenkommen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Design in der Innovationsfabrik?Teams aus der Wissenschaft werden beispielsweise in Perspektivwerkstätten mit kreativen Methoden und Techniken unterstützt, ihre Idee zu generieren und zu inkubieren, und zwar textlich, zweidimensional und dreidimensional mit Infrastrukturen wie dem 3D-Druck. Am Campus Duisburg haben wir einen Schwerpunkt in industriellem 3D-Druck. Das heißt, dass wir in den Innovationswerkstätten mittels Prototyping Ideen sichtbar machen können. Das Team der Nemos GmbH beispielsweise hat eine Wellenenergieanlage entwickelt. Dazu haben wir in der Werkstatt einen dreidimensionalen Funktionsprototypen umgesetzt, um Investoren die Technologie dahinter visuell zu verdeutlichen.

Du plädierst dafür, dass Startups stärker mit Designern zusammenarbeiten sollten. Welche Kompetenzen bringen Designer mit ins Team?

Einen Designer oder eine Designerin mit an Bord zu haben, bedeutet vor allem die Möglichkeit, über Dinge nachzudenken, über die der Technologe allein nicht nachgedacht hätte, weil er meistens sehr stark im Detail steckt. Wir stellen immer wieder fest, dass Startups, die Designer mit im Team haben, schon in einer frühen Phase viel klarer in der Entwicklung ihrer Idee sind, einfach weil der Designer die richtigen Fragen stellt, Alternativ-Szenarien sichtbar macht, systemisch arbeitet und dabei hilft, das Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten und Prozesse zu beschleunigen.

Übergreifend kann man sagen, dass der Designer eine Art Störer ist, er ist Katalysator von Lösungsszenarien, er sorgt für die Agilität und den Zielfokus im Startup. Wichtig dabei ist, dass der Designer oder die Designerin nicht als Dienstleister auftritt, sondern fest mit ins Team geht und auch als Gesellschafter beteiligt wird.

Warum ist das so wichtig?

Als Dienstleister ist der Designer oft nicht nah genug dran und kommt häufig dann erst ins Spiel, wenn es darum geht, das Produkt schön zu machen. Als Teil des Teams kann er sich ganz anders einbringen, kann schon bei der Entwicklung der Idee mitwirken. So muss er sich im Team dann auch definieren und immer wieder klarmachen, welche Lösungen er katalysiert und beschleunigt hat. Das ist manchmal schwierig zu kommunizieren und wird später gern vergessen. Ich rate deshalb immer, den Erfolg an Meilensteine zu knüpfen und auf starke Interaktion und Kommunikation zu setzen.

Welche Tipps hast Du für Design-Studenten, die überlegen, in ein Startup einzusteigen?
Ich empfehle Designern, Newsletter von Universitäten zu lesen und nach interessanten Forschungsbereichen und -ergebnissen Ausschau zu halten. Dann sollte man gezielt zu Veranstaltungen an Hochschulen und Lehrstühlen gehen, die Leute direkt ansprechen, vorschlagen, mal ein Projekt zu starten oder zu fragen, ob man daraus sein Masterthema machen könnte. Dann legt man gemeinsam Meilensteine fest und probiert einfach mal was aus. Wenn es für beide Seiten passt, könnte der Designer in das Startup-Team einsteigen. Dazu gibt es auch Förderinstrumente, wie Exist.

Der klassische Karriereweg eines Designers geht häufig in die Richtung, sich als Dienstleister selbstständig zu machen oder in Agenturen zu arbeiten. Was würde für das Einsteigen in ein Startup sprechen?

Es schafft vor allem Zukunftsperspektiven, die gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung opportun sind. Bei der Arbeit in Startups sind vom Designer nicht nur die für Dienstleister typischen Aufgaben wie die Gestaltung von Websites gefragt. Man wird immer auch mit komplementären Kompetenzen und lebenslangem Lernen konfrontiert. Es ist ein erheblicher Mehrwert, in einem heterogenen Team zu arbeiten und Einblicke in die verschiedensten Bereiche zu bekommen, wie Business Design, Finanzierung, Technologie. So qualifiziere ich mich als Designer jeden Tag on the Job weiter. Das macht den Designer auch für den weiteren Arbeitsmarkt attraktiv. Anstellen lassen kann man sich später ja immer noch.